Dichtheit von Kunststoffarmaturen: Wie dicht ist dicht?
- Fachwissen
Dichtheit von Kunststoffarmaturen: Wie dicht ist dicht?
„Mist, da steht ein Tropfen.“
„Ach, die paar Tropfen sind egal.“
Stellt man die Frage nach der Bewertung der Dichtheit einer Armatur, erhält man durchaus divergente Antworten. Während die einen keinerlei Tröpfchenbildung binnen 24 Stunden dulden, signalisieren andere, dass die Entstehung von Tropfen im Minutenintervall zulässig sei.
In beiden Fällen wird der Armatur das Merkmal „Dichtheit“ attestiert.
Normen helfen dabei, ein einheitliches Anforderungsprofil an die Eigenschaft „Dichtheit“ zu erhalten. In Bezug auf Kunststoffarmaturen gibt es normative Hilfswerke, um die Dichtheit einer Armatur zu prüfen und festzustellen:
Prüfnorm ISO 9393-2
Beschreibt das Verfahren, mit dem die Dichtheit von Kunststoffarmaturen geprüft wird.
Produktnorm
Die Produktnorm ÖNORM EN ISO 16138 legt Anforderungen an Konstruktion und Dichtheit von Membranventilen aus thermoplastischen Werkstoffen fest.
Die Prüfbedingungen und die Anforderungen an das Resultat liefert die Prüfnorm ISO 9393-2.
Im Detail gilt, dass die Kunststoffarmatur sowohl hinsichtlich ihrer Dichtheit nach außen als auch betreffend ihre Dichtheit im Durchfluss zu prüfen ist. Dabei ist während der gesamten Prüfdauer keine sichtbare Undichtheit zulässig.
Kann in der Zeit der Prüfung keine Undichte in optischer Hinsicht festgestellt werden, ist die klare Vorgabe erfüllt. Die Prüfung gilt dann als bestanden.
Das Bild gewährt einen Blick auf die Dichtfläche eines Membranventils DN 50 bei unzulässiger Tropfenbildung gemäß ISO 9393-2 während der Prüfdauer.
Diese wird in Form einer Zyklenprüfung durchgeführt. Dabei steht die Armatur unter Druck und das 20 °C-Medium strömt durch die Armatur samt Prüfungsaufbau. Nach 5 000 Zyklen, in denen die Armatur geöffnet und geschlossen wird, prüft und bewertet man schließlich die Kunststoffarmatur auf ihre Dichtheit.
Die Kriterien sind mit jenen der ISO 9393-2 vergleichbar.
Die Leckrate gib an, wieviel eines Mediums in einer Zeiteinheit durch ein Leck strömt. Die Angabe erfolgt meistens in mbar*l/sec.
Im Bereich der Metallarmaturen gibt es gemäß EN 12266-1 eine alphabetische Kategorisierung der Leckrate. Startend mit Leckrate A bis hin zu Leckrate G wird die Dichtheit einer Armatur einer Kategorie zugeordnet, wobei mit fortschreitendem Buchstaben die Leckrate zunimmt, die Armatur also ein größeres Leck und somit eine größere Undichtheit aufweist.
Kombiniert man nun die Normenvorgabe für Kunststoffarmaturen mit der Maßeinheit Leckrate, so ergibt sich für die Armaturen folgende Bewertungsgrundlage:
Dichtheitsprüfung: ISO 9393-2, EN 12266-1 (Leckrate A)
Prüft man die Kunststoffarmatur anhand der vorgegebenen Prüfbedingungen der ISO 9393-2, erfüllt die Kunststoffarmatur Leckrate A.
Leckrate A entspricht dabei der Definition aus der Norm EN12266-1. Die Definition von Leckrate A besagt, dass während der Prüfdauer keine sichtbare Undichte aufgetreten ist und spiegelt somit die Anforderung der Prüfnorm wider.
Praher Plastics Austria-Kunststoffarmaturen erfüllen allesamt diese Qualitätsansprüche.
Umfassende Prüfungen in der Entwicklung einer Armatur und weiterführend eine 100-prozentige Kontrolle im Produktionsprozess stellen ein höchstes Maß an Dichtheit sicher.